Es ist Frühling, und allenthalben beginnen die Pflanzen zu blühen oder stehen bereits in voller Blüte. Bei uns landen Blüten gelegentlich als bunte Zutat im
Salat oder zieren als Dekoration das eine oder andere Gericht. In Südostasien dagegen gibt es eine ganze Reihe von Blüten, die ganz selbstverständlich
regelmäßig und gerne als Zutaten in den verschiedensten Speisen verwendet werden. Die bekanntesten Blüten möchte ich dir nun samt Beispielen, wie sie verwendet
werden, vorstellen.
Anchan
Anchan oder Schmetterlingsblüten sind die essbaren Blüten der Blauen Klitorie (Clitoria ternatea), einer
Pflanze aus der Familie der Hülsenfrüchtler, die in Südostasien weit verbreitet ist. Aus den tiefdunkelblauen Blüten gewinnt man in der Region seit
Jahrhunderten einen koffeinfreien Kräutertee, der unter den Namen “Blauer Tee” oder “Schmetterlingserbsentee” bekannt ist. Daneben nutzt man die intensive
Farbkraft der Blüten zum natürlichen Einfärben von Lebensmitteln. Blau gefärbter Klebreis ist wohl das bekannteste Beispiel aus der thailändischen
Süßspeisen-Küche.
Die
Gelbe Sesbania (Sesbania bispinosa) ist ein einjähriger Strauch, der bis zu sieben Meter hoch werden kann. Er
trägt lange Blätter und liefert knallgelbe Blüten, die in Thailand “Dok Seno” (
) heißen. Das Aroma der Blüten ist leicht bitter und
wird beim Erhitzen deutlich intensiver. Frisch oder kurz blanchiert kommen die Blüten als Beilage zu scharfen Nam Priks auf den Tisch oder landen in Currys,
Wokgerichten, Salaten und einfachen Omeletts.
Was man in Thailand “Dok Khae” (
) nennt, sind genau genommen die noch geschlossenen Knospen des
Turibaums
(Sesbania grandiflora), einem Verwandten der Gelben Sesbania. Im Geschmack und in der Konsistenz erinnern sie an Zuckererbsen, haben aber eine leichte
Bitternote. In der Küche landen sie in Currys, Wokgerichten und Salaten oder werden roh mit Prik Nam Plaa gereicht.
Die Kletterpflanze Telosma cordata steuert zur südostasiatischen Küche ihre Blütenknospenbüschel bei, die in Thailand
Dok Kachorn (
) heißen. Neben den Blüten kommen auch junge Blätter und die Wurzeln als Nahrungsmittel
zum Einsatz.
Die
Bananenblüte (Musa paradisiaca), in Thailand “Hua Pli” (
) genannt, ist in Südostasien eine
verbreitete Küchenzutat für Suppen, Currys und Salate. In Europa wurde sie in den letzten Jahren als pflanzlicher Fleischersatz populär, weil sie wie die junge
Jackfruit eine fleischähnliche Textur hat. Frisch ist sie hierzulande kaum zu finden. Als Konserve gibt es sie aber in gut sortierten asiatischen Supermärkten.
Der
Niembaum (Azadirachta indica) stammt aus Südasien und ist heute auch in Thailand heimisch, wo er “Sadau” oder “Sadao”
(
) heißt. Die Pflanze findet ihren Haupteinsatz als Insektizid und Dünger in der Landwirtschaft sowie in der traditionellen Medizin.
Als Nahrungsmittel taucht sie eher selten auf. Der Grund ist der ausgeprägte bittere Geschmack ihrer Blätter und Blüten. In Thailand, wo Bitterkeit eine
beliebte Geschmackskomponente ist, gehören die Blüten des Niembaums trotzdem zur Küche. Wer sie zum ersten Mal probiert, muss etwas Offenheit für deren
Intensität mitbringen.