Thailändische Musik für die Küche
Molam, Luk Thung, Thai-Funk und mehr
Küchenmusik
Ich weiß nicht, ob ich damit alleine bin, aber beim Kochen höre ich gerne Musik, die ich mit dem Land oder der Region, aus dem das gekochte Gericht stammt, verbinde. Irgendwie passt die Musik einfach gut zu dem Fernweh, das ich mit dem Kochen versuche zu stillen.
Dadurch, dass ich nun schon seit mehreren Jahren schwerpunktmäßig thailändisch koche, besitze ich in der Zwischenzeit eine umfangreiche Sammlung unterschiedlicher thailändischer Musik. Ich bin dabei recht altmodisch und habe das meiste als MP3 gekauft, besitze aber auch einige CDs und sogar eine einzige Schallplatte.
Beim aufspüren meiner thailändischen Küchenmusik habe ich nebenher auch etwas gefährliches Halbwissen zu den unterschiedlichen Stilen aufgeschnappt. Letzteres möchte ich hier nun mit dir teilen. Und damit du eine bessere Vorstellung davon bekommst, habe ich zu den einzelnen Musikstilen auch jeweils ein paar Musikvideos gepackt.
Mir ist dabei bewusst, dass ich damit nur einen kleinen Ausschnitt der thailändischen Musiklandschaft abdecke, im Grunde die Songs und Stile, die mir beim Stöbern über den Weg gelaufen sind und die ich für mich als passende Musik zum Kochen identifiziert habe.
Molam
Neben der Khaen ist die
Ein Beispiel für eine moderne Interpretation von Molam ist die Band “The Paradise Bangkok Molam International Band”, die traditionelle Elemente mit Psychedelic- und Rockeinflüssen verbindet. Auch Künstler wie “Toompinzing” greifen traditionellen Molam auf und übertragen ihn in einen zeitgemäßen Kontext, wodurch sie die musikalische Tradition des Isaan fortführen.
Weiterführende Links und Musik
The instruments of Molam music WDR Open World: Molam Realoaded Molam auf Wikipedia Toompinzing auf YouTube Paradise Bangkok Molam International Band
Luk Thung
Moderne Luk Thung-Produktionen setzen häufig auf Duette mit dialogartigen Passagen zwischen Sängerin und Sänger. Die Begleitung ist meist dicht arrangiert und wird heute oft digital produziert statt von einer klassischen Live Band eingespielt. Solo Darbietungen sind jedoch immer noch zentraler Bestandteil des Genres. Luk Thung ist besonders im thailändischen Fernsehen präsent und wird zudem häufig für Karaoke genutzt.
Weiterführende Links und Musik
Luk Thung auf Wikipedia
Thai Funk
“Thai Funk” ist kein klar abgegrenzter traditioneller Stil, sondern eine moderne Sammelbezeichnung für thailändische Musik, die sich stark an Funk, Soul und grooveorientierten Genres orientiert. Viele dieser Einflüsse gehen auf die 1960er- und 1970er-Jahre zurück, als westliche Musikstile in Thailand populär wurden.
In den 1960er- und 1970er-Jahren beeinflussten US-Soldatensender und Clubmusik die thailändische Poplandschaft. Musiker begannen, Funk-Grooves mit bestehenden Genres zu verschmelzen. Charakteristisch sind repetitive Basslinien, rhythmische Gitarren und ein insgesamt groovebetonter Aufbau. Gesang spielt oft eine untergeordnete Rolle oder wird eher als weiteres rhythmisches Element eingesetzt.
Besonders deutlich wird diese Vermischung in Hybridformen wie “Isaan Funk“, bei denen Molam-Elemente mit elektrifizierter Phin, treibendem Bass und Schlagzeug kombiniert werden. Auch im Luk Thung finden sich Funk-Einflüsse, etwa in tanzbaren Arrangements mit Bläsersektionen und treibenden Basslinien, die jedoch weiterhin einer klaren Songstruktur folgen.
In den frühen 2010er-Jahren erlebte Thai Funk durch DJs wie Maft Sai und Chris Menist sowie Labels wie ZudRangMa Records ein Revival. Viele ursprünglich in den 1980er-Jahren in Vergessenheit geratene Stücke werden seitdem wieder aufgelegt und auch außerhalb Thailands in Clubs gespielt.
Weiterführende Links und Musik
Thai House & Techno
Neben eher instrumental- und gesangsorientierten Stilen existiert in Thailand auch eine lebendige elektronische Szene, in der traditionelle Klänge mit House- und Techno-Beats kombiniert werden.
Ein Beispiel dafür ist der DJ und Produzent “Meltmode”, der in seinen Sets gezielt Stücke aus Genres wie Molam oder Luk Thung sampelt und diese über elektronische Clubbeats legt. Auch Liveacts wie “Hymmapan Electron” gehen in eine ähnliche Richtung. Das Projekt kombiniert traditionelle Instrumente wie die Khaen mit elektronischen Beats und erzeugt so einen hypnotischen Sound, der sich irgendwo zwischen Psychedelic, Techno und Molam bewegt.
Auf beide bin ich über den YouTube-Kanal “Tuk Tuk Radio” gestoßen, der DJs in fahrenden Tuk-Tuks und anderen ungewöhnlichen Orten präsentiert. Dabei treten sowohl internationale Künstler als auch Acts aus Thailand regelmäßig auf.
Darüber hinaus gibt es weitere internationale Projekte, die ähnliche Ansätze verfolgen. Das Kollektiv “Apichat Pakwan” aus Amsterdam verbindet beispielsweise Molam mit elektronischer Musik, Dub und Hip-Hop. Auch DJs wie “Nuk Kon Isaan” greifen diese Mischung auf und kombinieren traditionelle Klänge aus dem Isaan mit House- und Techno-Beats.
Daneben gibt es international aktive DJs aus Thailand wie “Nakadia” oder “Mendy Indigo”, die zeigen, dass Thailand längst Teil der globalen House- und Techno-Szene ist, auch wenn ihr Sound keine direkten Bezüge mehr zu traditioneller thailändischer Musik aufweist.
Weiterführende Links und Musik
Meltmode auf Bandcamp Apichat Pakwan auf Bandcamp Hymmapan Electron auf Instagram Nuk Kon Isaan auf Instagram
Thai Reggae
Thai Reggae orientiert sich stilistisch stark am jamaikanischen Reggae und weist kaum Bezüge zu traditioneller thailändischer Musik auf, abgesehen davon, dass die Texte in thailändischer Sprache verfasst sind. Inhaltlich geht es häufig um Alltag, Gesellschaft und ein eher unkompliziertes Lebensgefühl, oft mit Bezug zu Strand- und Inselleben.
In Thailand wurde Reggae vor allem durch die Band “Job 2 Do” bekannt. Die Gruppe wurde in den 1990er-Jahren im Süden Thailands gegründet und ist eng mit der Inselkultur verbunden. Ihr bekanntester Song „Doo Doo Doo“ wird bis heute häufig gespielt und gilt als einer der prägenden Thai-Reggae-Titel, der auch in der elektronischen Szene mehrfach aufgegriffen wurde.
“Job 2 Do” treten auch heute noch regelmäßig live auf, insbesondere auf den Inseln im Golf von Thailand und der Andamanensee, wo Reggae seit vielen Jahren fest zur lokalen Musikszene gehört.